Sadaghat Bagherzadeh – Studienkolleg 1983/84 – W-Kurs

Vom BWL-Studium im Iran über „militärischen Zivildienst“ zur Dorfschullehrerin – Revolution im Iran – Abreise nach Deutschland – Studium zur diplomierten Sozialpädagogin in Frankfurt

Sadaghat Bagherzadeh
Herkunftsland: Iran
Berufliche Tätigkeit heute: Sozialpädagogin im Internationalen Familienzentrum Frankfurt
Verheiratet, eine erwachsene Tochter, lebt mit ihrer Familie im Raum Frankfurt

 

Sadaghat Bagherzadeh, geboren 1953 in Täbriz / Iran, zog 1979 zu ihrem Mann, der seit 1977 in Kaiserslautern und Frankfurt studierte, nach Deutschland.
Davor hatte sie nach ihrem Sekundarabschluss 2 Jahre in Täbriz BWL studiert. Nach Unruhen und Demonstrationen wurde die Universität Ende 1976 geschlossen. Viele Studenten gingen daraufhin in Städte im Norden Irans, Sadaghat absolvierte jedoch 6 Monate lang in Täbriz den damals obligatorischen „Zivildienst“ (auch für Damen), ohne den man keinerlei berufliche Aussichten hatte. Während des „Zivildienstes“ erhielt man eine pädagogische Ausbildung, außerdem wurden militärische Übungen abgehalten. Anschließend wurde Sadaghat für 18 Monate in ein kleines Dorf nördlich von Täbriz geschickt, wo sie zusammen mit drei Kolleginnen in sehr einfachen Wohnverhältnissen (kein Strom, kein Wasser, Verpflegung durch die Eltern) lebte und vormittags die erste und dritte Klasse unterrichtete und nachmittags mit älteren Dorfbewohnern Alphabetisierungskurse durchführte. Danach wäre eine Lehrerinnentätigkeit in der Stadt möglich gewesen, aber Sadaghat begab sich stattdessen auf die Reise nach Deutschland. Der ursprüngliche Plan war nach Abschluss des Studiums ihres Mannes in Deutschland in den Iran zurückzukehren. Dies verhinderte jedoch die dortige Revolution und so entschloss sich Sadaghat hier zu studieren.
Ihre Erinnerungen an die erste Zeit in Deutschland:
Schwierige Situation / Lange keine Aufenthaltsgenehmigung/ komplizierte Schwangerschaft mit Krankenhausaufenthalt – jedoch 1981 die glückliche Geburt einer Tochter/ Unruhen im Iran / das schwierige Erlernen der deutschen Sprache in VHS-Kursen.
Dann der Besuch des Studienkollegs:
Wieder SCHULE! Nach 2 Jahren Universitätsstudium im Iran und 18 Monaten Tätigkeit als Lehrerin – eine Kränkung!
Erinnerungen an den Unterricht: Der Mathematikunterricht z.B. war eine große Herausforderung wegen der neuen Stoffe und Methoden; es gab große Verständnisschwierigkeiten für fast alle Studenten. Sadaghat erinnert sich daran, dass sie jedoch den Stoff verstand und mit Hilfe der von ihr im Iran gelernten Methode den anderen Studenten den Stoff verständlich machen konnte – eine Erinnerung an eine Situation, in der sie im Studienkolleg Anerkennung und Bestätigung erhielt.
Studium an der FH in Frankfurt:
1984 begann Sadaghat das Studium der Sozialpädagogik mit Schwerpunkt Ausländerrecht. 1988 beendete sie ihr Studium mit Diplom und absolvierte ihr Jahrespraktikum (Anerkennungsjahr) im Bereich Erziehungsberatung am Internationalen Familienzentrum in Frankfurt (www.ifz-ev.de). Nach dem Ende dieses Praktikums wurde ihr hier eine Stelle als Erzieherin angeboten und nach 3 Jahren eine Stelle als Sozialpädagogin.
Dreizehn Jahre arbeitete sie zuerst im integrativen Hort des IFZ, danach auch in der sogenannten Tagesgruppe, in der Kinder mit besonders großen Problemen unterschiedlichster Art betreut werden. Aufgrund ihrer Türkisch-Kenntnisse konnte und kann sie auch gut mit ursprünglich aus der Türkei stammenden Eltern arbeiten. Neben der täglichen Betreuung der Kinder steht sie zusammen mit ihrem internationalen Team mit dem Jugendamt, Schulen in verschiedenen Stadtteilen Frankfurts und Therapeuten in intensivem Kontakt.
Entspannung von ihrer sehr anspruchsvollen und anstrengenden Arbeit findet Sadaghat u.a. in der Gartenarbeit, im Kontakt mit ihrer Familie (drei ihrer Geschwister leben in Hamburg und Stuttgart – ihr Bruder Parviz besuchte ebenso wie sie das Studienkolleg in FFM und arbeitet heute als Ingenieur in Stuttgart).

Sadaghat Bagherzadeh,

FFM, Oktober 2014