Erfahrungen aus dem Informatik-Studium an der TU Darmstadt – Interview mit Yaroslav Ilichenko, T-Kurs (FSP 2015)

Interview mit Yaroslav Ilichenko (T-Kurses, FSP 2015).

Heute studiert er Informatik an der TU Darmstadt und steht kurz vor seinem Bachelor-Abschluss:

Hallo Yaroslav! Wir sind schon sehr gespannt darauf, Einiges über Ihr Studium und Ihre Zeit hier in Frankfurt zu erfahren.

Yaroslav: Ja, vor knapp 3 Jahren durfte ich das Studienkolleg Frankfurt, und zwar den T-Kurs, besuchen. Ich habe zwei wunderschöne Semester hier verbracht und danach habe ich entschieden, an die TU Darmstadt zu wechseln, um Informatik zu studieren.

Wirklich? „Wunderschöne Semester“? Wie ist es Ihnen dabei ergangen?

Yaroslav: Das Studium fand ich vom ersten Tag an hart. Da ich allerdings der Ansicht war, dass das Studium doch machbar ist, habe ich es letztendlich geschafft. Man darf also den Glauben an sich nie verlieren!

Hatten Sie das Gefühl, dass das Studienkolleg Sie trotzdem einigermaßen darauf vorbereitet hat oder war der Unterschied zwischen Studienkolleg und Universität doch sehr groß?

Yaroslav:  Auf jeden Fall! Vor allem lernt man viele wichtige Grundlagen für die spätere universitäre Laufbahn und man hat natürlich die beste Gelegenheit, sein Deutsch zu verbessern. Ich kenne einige Studienkollegen, die nur TestDaF oder die DSH gemacht hatten, und ich kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass sie das Studium anfangs noch schwieriger empfunden haben und deutlich mehr Zeit investieren mussten. Dieses Jahr hat sich also tatsächlich gelohnt!

Das freut uns ja zu hören! Wie ist es Ihnen denn gerade in den ersten Semestern ergangen und wie ist das spätere Studium verlaufen?

Yaroslav: Na ja, das erste Semester ist immer das Härteste und darauf muss man sich psychologisch vorbereiten. Da ich immer ein Perfektionist war und früher in der Schule immer Einsen hatte, war die Erfahrung, Klausuren nur mit mittelmäßigen Noten zu bestehen, für mich fast unerträglich. Damals habe ich mir aber oft Gedanken darüber gemacht, dass das Studium im Studienkolleg anfangs auch ein Sprung ins kalte Wasser war, allerdings habe ich dieses mit Durchschnittsnote 1,7 abgeschlossen. In meinem ersten Semester durfte ich stattdessen meine Dreien und Vieren genießen und es gab sogar eine Klausur, die ich nicht bestanden habe. Dieses potenziell schlechte Gefühl oder seine pessimistische Laune muss man überwinden und darf sie keinesfalls überschätzen, denn später gewöhnt man sich an Rhythmus, an Lehrart und, ich sage mal, an die Regeln der Universität. Ja, man sollte sich also keine Sorgen machen, sondern seine Fehler analysieren, um diese im späteren Studium beheben oder sogar vermeiden zu können (z.B. fehlendes Zeitmanagement oder nicht ausreichende Klausurvorbereitung). Dadurch entwickelt man seine Persönlichkeit am besten weiter und sammelt wichtige Erfahrungen für das spätere Leben.

Prima, dass Sie diese Zeit so durchgehalten haben! Sie sagten eben, dass die Lernart bzw. Lehrart an der Universität anders ist als am Studienkolleg. Was ist denn „so anders“ daran?

Yaroslav: Ich würde mal sagen, nicht so verschult wie das Studienkolleg oder wie an der Fachhochschule. In einem Raum an der Uni, in einem Saal, sitzen 700 bis mehr als 1000 Studierende und der Professor steht vorne und redet, redet, redet. Ehrlich gesagt, bekommt man ganz oft das Gefühl, dass er dir nichts beibringen möchte und dass man in der Vorlesung einfach seine Zeit verschwendet. Von den Sprechstunden würde ich aber niemandem abraten: da hat man eine gute Chance, seine Fragen in etwas privater Atmosphäre zu stellen und einen engeren Kontakt mit den jeweiligen Modulverantwortlichen (mit dem Dozenten und den wissenschaftlichen Mitarbeitern) zu knüpfen. Ganz zufrieden war ich allerdings mit dem Niveau der Lehre nicht.

Das heißt in Bezug darauf, wie der Stoff aufbereitet ist oder dass man zu wenige Übungen bekommt?

Yaroslav: An der Uni werden meistens nur trockene Folien mit riesigen Texten präsentiert, die schlecht zu entschlüsseln sind. Die Übungen sollten dieses Problem eigentlich lösen, tun dies aber nicht richtig. Mir haben vor allem die Erklärungen an der Tafel gefehlt, wir kamen auch nie in den Genuss  von ausführlichen oder vielfältigen Beispielen.

Sind die Übungen freiwillig oder mussten Sie alle Übungen abgeben?

Yaroslav: Es kommt darauf an. In den ersten Semestern ist es normalerweise so, dass eine bestimmte Anzahl von Punkten in den Übungen nötig ist, um zur Klausur zugelassen zu werden. Beispielsweise 30-40%. In den späteren Semestern, meinetwegen ab dem dritten, muss man eine bestimmte Anzahl von Punkten erreichen, um einen bestimmten Klausurbonus zu bekommen. Bei uns sieht es so aus: wir haben bestimmte Notenstufen – 4,0 – 3,7 – 3,3 – 3,0 – 2,7 – 2,3 usw. bis 1,0. Wenn man während des Semesters eine bestimmte Punktzahl erreicht hat, darf man mit einem Verbesserungssprung in der Klausur rechnen. Wenn man z. B. eine 3.0 geschrieben hat, erhält man schließlich eine 2,7.

Ok, das heißt, es lohnt sich, die Übungen regelmäßig abzugeben.

Yaroslav: Ja, auf jeden Fall. Es ist sicherlich auch eine gute Motivation, um den Stoff wöchentlich vor- und nachzuarbeiten, und an den Vorlesungen aktiv teilzunehmen. Diese Faktoren haben dann letztendlich einen enormen Einfluss auf das Endergebnis!

Und wo stehen Sie jetzt in Ihrem Studium? Wie viel haben Sie schon geschafft und was bleibt Ihnen noch von Ihrem Bachelor?

Yaroslav: Aktuell bin ich im 8. Semester und ich habe fast 150 CPs hinter mir. Ich habe aktuell alle Pflichtmodule geschafft und es bleiben nur die Wahlpflichtmodule, die man sich selbst aussuchen muss. Diese Leistungen darf man auch im Ausland erbringen, daher gehe ich nächstes Semester in die Schweiz. An der Stelle noch ein Tipp von mir: Macht unbedingt ein Austauschsemester! Dies bringt nicht nur viele persönliche Vorteile mit sich, sondern wird von vielen Arbeitgebern sehr positiv eingeschätzt.

Das klingt ja gut. Sie erzählten mir auch vor dem Interview, dass Sie aktuell ein Praktikum machen. Wie geht es Ihnen dabei? Ist es eine eine gute Erfahrung oder sagen Sie, es unterbricht eher mein Studium?

Yaroslav: Einige praktische Erfahrungen zu sammeln ist selbstverständlich eine gute Sache! Mein Problem ist aber, dass ich aktuell als Praktikant 39 Stunden pro Woche arbeite. Wenn man von morgens 8 Uhr bis nachmittags 16 Uhr im Büro bleibt, dann stellt sich die Frage, wann man studieren soll. Von daher ist es echt schwierig, Praktika und Studium zu verbinden. Ein Kompromiss wäre möglichweise eine Werkstudentenstelle, weil Werkstudenten nur 20 Stunden pro Woche arbeiten müssen. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass große Unternehmen wie die Deutsche Bank oder Mercedes Benz großenteils nur ihre ehemaligen Praktikanten als Werkstudenten einstellen. Insgesamt kommt man einfach eines Tages zu der Erkenntnis, dass, wenn man keine praktische Erfahrung hat, wird es beim Start später schwierig.

Beim Berufseinstieg dann?

Yaroslav: Ja.

Bisher haben wir nur über Hürden gesprochen, was war denn das Schönste im Studium, an das Sie sich erinnern können? Oder das Aufregendste?

Yaroslav: Für mich persönlich war das immer das Gefühl nach der Klausur.  Wenn man tief einatmen und ausatmen kann. Wenn man Freiheit spürt und sich Gedanken über Urlaub machen kann, um Eltern oder Freunde zu besuchen. Das war immer das Beste.

Und was hat Ihnen am Ende in den schwierigen Zeiten geholfen? Hatten Sie Arbeitsgruppen, wo Sie Unterstützung finden konnten, oder haben Sie mit Freunden zusammen gelernt?

Yaroslav: Das habe ich schon in Studienkollegzeiten ausprobiert und das hat mir nie gefallen, denn die Freunde, die Kollegen, mit denen ich zusammengesessen habe, hatten nie so die richtige Motivation. Sie haben nur gelacht, Geschichten erzählt oder Memes angeschaut. Letztendlich haben wir fast nichts gelernt. Daher habe ich immer lieber alleine gelernt. Diese Strategie würde ich allerdings für das Studium nicht empfehlen, denn beim Brainstorming bekommt man schließlich einfacher und schneller einen Lösungsweg. Nur waren meine Erfahrungen dabei nicht ganz positiv.

Ok. Das heißt es ist gut, zumindest Ansprechpartner zu kennen, mit denen man sich punktuell mal trifft.

Yaroslav: Ja, genau.

Gibt es denn sonst noch etwas, was Ihnen am Herzen liegt? Etwas, was Sie den jetzigen Kollegiaten oder den sich im Studium befindenden Ehemaligen gerne berichten möchten?

Yaroslav: Ja, falls ihr euch schon für ein Studium in Deutschland entschieden habt, dürft ihr euch auf eine spannende und interessante Zeit voller Erfolge und Misserfolge, Freuden und Enttäuschungen, Schwierigkeiten und Zufriedenheit bei deren Überwindung freuen. Daher wünsche ich euch nicht nur viel Spaß und viel Erfolg bei eurem Studium, sondern auch ganz viel Geduld, Fleiß und Hartnäckigkeit!

Yaroslav, ganz herzlichen Dank, alles Gute und viel Erfolg für alles Weitere, was nun auf Sie zukommt!

 

M. Schmidt